"Kennen Sie `Fight Club´?"
Dunkle Väter - Chaossöhne


Chaossohn am Meer:
Epiphanie des "puer aeternus"

Panik der Väter:
Die Rückkehr Pans

Gegen eine kalte Sonne:
Kampfekstase im "Fight Club"

Vaterlose Berserker:
Geburt nicht zu Ende Geborener

Weltraumaffen:
Anarcho-Sklaven der Geschichte

"Orale Flipper":
Der faschistische Bruch

Rettung aus der Masse:
Ewige Ganzheit im Phallus der Höhen

Schatten des Kreuzes:
Die Geburt der "Schwarzen Sonne"

Pole der Gewalt:
"Fight Club" und "Triumph des Willens"

Der molekulare Mann:
Gegen die Angst zu wünschen



Atalante 2

  An den christlichen Altar hat der "puer aeternus" die verdrängte und kirchlich verteufelte Welt des Hirtengottes Pan zurückkehren lassen. Nun stürzt Pan die aus den Fugen geratene Väterwelt in panische Ängste:

"Schon sprangen die Knaben vom Orgelchor in großen Sätzen als zottige Hunde unter die Menge und jagten sie bellend in der Kirche umher. Die Geängsteten wollten fliehen. Aber die Türen waren fest verschlossen. Mehr und mehr Hunde drangen zähnefletschend auf sie ein. Man wälzte sich am Boden, versuchte sich auf die Bänke zu retten, zu den Fenstern emporzuklettern, stolperte übereinander, stürzte, raffte sich auf, rang die Hände, schnappte nach Luft und röchelte." (RR, S.149)

Der Archetyp des "göttlichen Knaben" hat die kultivierten Väter ihre andere, naturhaft tierische Seite erleben lassen, vor der sie nur mit Grauen in Panik fliehen können, die sie jedoch zerfleischend immer wieder einholt.

"Pan lebt also noch...und nicht nur in der literarischen Phantasie. Er lebt im Unterdrückten, Verdrängten, das wieder auftaucht, in der Psychopathologie der Triebe, die sich durchsetzen und zwar hauptsächlich im Alptraum und den damit verbundenen erotischen, dämonischen, panischen Aspekten."
(James Hillman, Pan und die natürliche Angst, S. 43f).

Nur wenige Jahre vor Bruno Goetz schrieb Thomas Mann seine Novelle "Der Tod in Venedig", die als Geschichte einer verbotenen, homoerotischen Liebe gelesen werden kann. Der preußisch korrekte Aschenbach verliebt sich am Strand von Venedig in den jungen Polen Tadzio. Der Junge aus dem Osten konstelliert ihm den "puer aeternus", der ihn in die gleichgeschlechtlich liebende Seite seiner Natur einführen könnte, jedoch außer melancholischer Sehnsucht "nur" einen dämonisch-erotischen Alptraum auslöst: die Rückkehr des "fremden Gottes" in Gestalt des enthüllten Phallus. Aschenbach erwacht in Panik und stirbt kurz darauf.