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An
den christlichen Altar hat der "puer aeternus" die verdrängte
und kirchlich verteufelte Welt des Hirtengottes Pan zurückkehren
lassen. Nun stürzt Pan die aus den Fugen geratene Väterwelt
in panische Ängste: "Schon sprangen die Knaben vom Orgelchor in großen Sätzen als zottige Hunde unter die Menge und jagten sie bellend in der Kirche umher. Die Geängsteten wollten fliehen. Aber die Türen waren fest verschlossen. Mehr und mehr Hunde drangen zähnefletschend auf sie ein. Man wälzte sich am Boden, versuchte sich auf die Bänke zu retten, zu den Fenstern emporzuklettern, stolperte übereinander, stürzte, raffte sich auf, rang die Hände, schnappte nach Luft und röchelte." (RR, S.149) Der Archetyp des "göttlichen Knaben" hat die kultivierten Väter ihre andere, naturhaft tierische Seite erleben lassen, vor der sie nur mit Grauen in Panik fliehen können, die sie jedoch zerfleischend immer wieder einholt. "Pan lebt also noch...und nicht nur in der literarischen Phantasie. Er lebt im Unterdrückten, Verdrängten, das wieder auftaucht, in der Psychopathologie der Triebe, die sich durchsetzen und zwar hauptsächlich im Alptraum und den damit verbundenen erotischen, dämonischen, panischen Aspekten." (James Hillman, Pan und die natürliche Angst, S. 43f). Nur wenige Jahre vor Bruno Goetz schrieb Thomas Mann seine Novelle "Der Tod in Venedig", die als Geschichte einer verbotenen, homoerotischen Liebe gelesen werden kann. Der preußisch korrekte Aschenbach verliebt sich am Strand von Venedig in den jungen Polen Tadzio. Der Junge aus dem Osten konstelliert ihm den "puer aeternus", der ihn in die gleichgeschlechtlich liebende Seite seiner Natur einführen könnte, jedoch außer melancholischer Sehnsucht "nur" einen dämonisch-erotischen Alptraum auslöst: die Rückkehr des "fremden Gottes" in Gestalt des enthüllten Phallus. Aschenbach erwacht in Panik und stirbt kurz darauf. |