In diesem Lied sind einige von Eichendorffs typischen Wendungen versammelt, die die Natur als sprechenden Organismus beschreiben: das über das Land ziehende "Wehen" des Frühlings, der Frühling als "Mutter", die sich wieder zu einer Braut verjüngt, das "Rauschen" von Strömen und "Sprechen" des Waldes. Dies sind eher heidnische als christliche Evokationen, die zudem an ältere matriarchale Religionsformen erinnern, für die die Romantiker eine besondere Affinität hatten.

Auf einem Maskenfest erscheint Florio dann ein junges Mädchen - wiederum eine Manifestation der Venus - das ihn vollends aus der Bahn wirft: Ihr Anblick und die Tanzmusik wecken in ihm "Lieder, die unten gebunden schliefen, und Quellen und Blumen und uralte Erinnerungen." Sein ganzes "eingefrornes, schweres, stockendes Leben", so heisst es im Text, scheint plötzlich wieder zu einem "leichten klaren Strom" zu werden, "auf dem das Herz mit rauschenden Wimpeln den lange aufgegebenen Wünschen fröhlich wieder zufährt."

Doch es kommt weder zu sexueller noch spiritueller Erfüllung, sondern während einer dritten Begegnung mit der Göttin in einem unheimlichen Palast treten ihre dämonische Züge zutage: "Hohe ausländische Blumen" verbreiten einen "betörenden Duft", ein aufkommendes Gewitter lässt die Kerzen zuckende Streiflichter über fremdartige Marmorreliefs werfen und eine Schlange "mit grünlichgoldenem Schweife" springt zischelnd aus einem Blumenbouket hervor.

Taucht die vorchristliche Göttin Venus auf, ist die Identität des Helden gefährdet und diesmal sendet er gar ein Stossgebet gen Himmel: "Herr Gott, lass mich nicht verlorengehen in der Welt!"

Hiermit ist der ganze Konflikt des Stückes bezeichnet: Heidnischer Polytheismus in seiner sinnlichen und dämonischen Gewalt meldet sich aus den Tiefen einer christlichen Seele zurück und stellt die Frage, ob deren neues religiöses Wertesystem so stark ist, um mit den archaischen Relikten umgehen zu können.

 
Marmorbild 1   Marmorbild 3