In der Moschee
 

In Ägypten wird man oft angesprochen und manchmal ergeben sich wirklich interessante Begegnungen. Einmal nahm mich ein junger Mann mit in eine Moschee, wo gerade ein Gottesdienst beginnen sollte. Er verschwand zu seinen Freunden und ich liess mich – etwas ratlos - irgendwo im Hintergrund auf einem Teppich nieder.

Nach einer Weile kam ein anderer Mann auf mich zu und forderte mich mit wütendem Blick auf, die Moschee sofort zu verlassen. Ich wusste nicht, was ich erwidern sollte und zuckte nur mit den Schultern, worauf er immer aggressiver wurde, bis ein älterer bärtiger Mann nahte und ihn mit harschen Worten zurechtwies: Er habe nicht das Recht, einen Gast so zu behandeln und ich könne – wenn ich wollte – gerne bleiben.

Kurz vor Anfang der Zeremonie betrat eine Schar junger verschleierter Mädchen die Moschee und rannte – unter ständigem Kichern – quer durch den Saal auf eine Tür zu, wo es in den Frauen-Nebenraum ging. Als die Verbeugungen begannen, beobachtete ich vor allem die Jugendlichen und dachte an meine Konfirmandendenzeit zurück, in der auch ich regelmässig zur Kirche gegangen war. Allerdings eher wegen der hübschen Mädchen unserer Gruppe, deren Parfümgeruch sich in erregender Weise mit der feierlichen Kirchenstimmung mischte und deren in weissen Strümpfen steckende Beine mich stärker angezogen hatten als die Rituale des Pfarrers. Hier war es anders: Selbst 12jährige verrichteten ihre Andacht mit ernsthafter und konzentrierter Hingabe, vielleicht motiviert durch die anderen und im erhebenden Bewusstsein, einer besonderen Religion anzugehören.

Nach dem Gottesdienst ergab sich mit dem bärtigen Alten und dem jungen Mann, der mich hergelotst hatte noch ein Gespräch vor der Moschee. Ohne andere Religionen herabsetzen zu müssen, spürte ich bei dem Alten ein grosses Selbstbewusstsein und den Stolz, einer ausserordentlichen Sache zu dienen. Dies teilte sich ohne viele Worte mit. Demgegenüber fühlte ich mich eher unterlegen, als reichten mein Wissen und meine Aufgeschlossenheit nicht aus, um vor der spirituellen Beseeltheit dieser Menschen zu bestehen. Die im Westen so gefeierten Tugenden von Rationalität, Kritik und Differenzierung hatten hier kein Gewicht. Im Gegenteil: In den Augen der Gläubigen waren sie eher Zeichen von Zerrissenheit und geistiger Leere.

 

"Rummenigge"   Der Fährmann