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Kurz vor
Anfang der Zeremonie betrat eine Schar junger verschleierter Mädchen
die Moschee und rannte unter ständigem Kichern quer
durch den Saal auf eine Tür zu, wo es in den Frauen-Nebenraum ging.
Als die Verbeugungen begannen, beobachtete ich vor allem die Jugendlichen
und dachte an meine Konfirmandendenzeit zurück, in der auch ich regelmässig
zur Kirche gegangen war. Allerdings eher wegen der hübschen Mädchen
unserer Gruppe, deren Parfümgeruch sich in erregender Weise mit der
feierlichen Kirchenstimmung mischte und deren in weissen Strümpfen
steckende Beine mich stärker angezogen hatten als die Rituale des
Pfarrers. Hier war es anders: Selbst 12jährige verrichteten ihre
Andacht mit ernsthafter und konzentrierter Hingabe, vielleicht motiviert
durch die anderen und im erhebenden Bewusstsein, einer besonderen Religion
anzugehören.
Nach dem
Gottesdienst ergab sich mit dem bärtigen Alten und dem jungen Mann,
der mich hergelotst hatte noch ein Gespräch vor der Moschee. Ohne
andere Religionen herabsetzen zu müssen, spürte ich bei dem
Alten ein grosses Selbstbewusstsein und den Stolz, einer ausserordentlichen
Sache zu dienen. Dies teilte sich ohne viele Worte mit. Demgegenüber
fühlte ich mich eher unterlegen, als reichten mein Wissen und meine
Aufgeschlossenheit nicht aus, um vor der spirituellen Beseeltheit dieser
Menschen zu bestehen. Die im Westen so gefeierten Tugenden von Rationalität,
Kritik und Differenzierung hatten hier kein Gewicht. Im Gegenteil: In
den Augen der Gläubigen waren sie eher Zeichen von Zerrissenheit
und geistiger Leere.
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