Fustat
 

Am Schluss meiner Reise blieb ich noch eine Woche in Kairo, wo gerade die Fastenzeit Ramadan herrschte. Tagsüber sah man daher in den Restaurants kaum Einheimische, wogegen nach Einbruch der Dämmerung grosse Essensgelage begannen und Lokale bis tief in die Nacht geöffnet waren.

Kaum sah ich je eine Stadt mit grösseren Kontrasten. Vom glitzernden Luxus bis zur verrussten Töpferstadt Fustat waren es nur ein paar Kilometer und doch begab man sich auf eine Reise in entfernte Geschichtsepochen. Schwarzbeschmierte Kinder turnten barfuss auf Holzkohlehalden herum, hinter denen sich ein grosses Areal qualmender Feuerstellen und Öfen erstreckte, in denen Töpferware gebrannt wurde.

Mittelalterliche Szenerien mitten in einer Millionensstadt. Hier hatte ich die größten Probleme zu filmen und oft half auch kein Bakschisch, um die misstrauischen Menschen zu besänftigen. Einmal wurde mir sogar die Kamera weggerissen und ich musste sie mit aller Überredungskunst wieder freikaufen, um danach schleunigst das Weite zu suchen.

Eine Gruppe Jugendlicher verfolgte mich weiter und ich geriet in immer unheimlichere Regionen, wo mich misstrauische und feindselige Augen anstarrten. Gottseidank fand ich irgendwann in einem Schuppen Zuflucht vor meinen Verfolgern. Nachdem sie verschwunden waren, watete ich noch über ein riesiges Feld voller Wasserlachen und Morast, um ihnen in der Siedlung nicht noch einmal begegnen zu müssen.

Erschöpft und mit aufgeweichten Schuhen fand ich endlich wieder zu einer Hauptstrasse zurück, von wo aus die Töpferstadt wie ein qualmendes Kriegsszenario aussah. Der Filmemacher in mir war jedoch zufrieden und freute sich bereits auf die Sichtung des aussergewöhnlichen Materials.

 

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