Liebesdienste
 

Zur islamischen Welt gehört auch die Homosexualität. Etliche junge Männer in Ägypten erzählten mir, dass sie vor der für sie nicht ganz billigen Hochzeit wenig von ihren hübschen Zeitgenossinnen zu sehen bekämen. Ich sah viele schmachtende Blicke in Richtung verschleierter Schönheiten, die genau wussten, wie erotisch ihre verhüllten Kurven und Augenschlitze waren und einer klagte einmal halb resigniert, dass diese doch letztlich alles in der Hand hätten.

Einem jungen Mann war ich einmal in sein Haus gefolgt, weil er mir dort interessante "Dorfmotive" für meine Kamera versprochen hatte. Nach einem kurzen Imbiss rückte er mit der Sprache heraus: Er sei ein guter Liebhaber, sein Schwanz so dick wie eine Colaflasche, dazu fest und ausdauernd. Zur Veranschaulichung streckte er einen Zeigefinger starr in die Luft und tupfte mit dem anderen dagegen. Luft und Nahrung seiner Heimat – so teilte er mir stolz mit – würden seinem Genital zu besonderer Standfestigkeit verhelfen, während das der Deutschen viel leichter schlapp mache.


Daraufhin krümmte er langsam den Zeigefinger und sah mich mit einem breiten Grinsen an. Er wisse, wovon er rede, schliesslich kämen jeden Sommer viele ältere Deutsche zu ihm, weil sie etwas vergleichbar Gutes zuhause nicht bekämen.

Angesichts seiner Direktheit und Wortwahl musste ich lachen und bedauerte, sein Angebot nicht annehmen zu können. Als er nach weiteren Überredungsversuchen merkte, dass bei mir nichts zu machen war, bat er mich zum Abschied noch um einen anderen Gefallen. Er öffnete einen alten Koffer, in dem er unzählige Zehnmarkscheine aus aller Herren Länder mit Stecknadeln drapiert hatte und sagte mit treuherzigem Blick, nur der aus Deutschland fehle ihm noch. Natürlich glaubte ich ihm kein Wort, aber ich kam dennoch nicht umhin, ihm zur Vollständigkeit seiner Kollektion zu verhelfen.

Was waren zehn Mark für mich und was für ihn? Wenn der angehende Rechtsanwalt, den ich in Luxor getroffen hatte, tatsächlich 80 DM im Monat verdiente, konnte ich es mir ausrechnen. Mit theatralischem Ernst versicherte mir mein Gastgeber, dass er den Schein nur für seinen Koffer benutzen würde und etwas in mir war sogar bereit, ihm dies zu glauben.

 

Das Dorf   Fustat