Das Kalachakra-Ritual wird vom Dalai Lama auch in Europa praktiziert, so etwa auf einem buddhistischen "Mega-Event" vom 11. bis zu 23. Oktober 2002 in Graz (siehe www.kalachakra-graz.at und www.kalachakra.com) Es besteht aus verschiedenen Vorträgen, Kursen und medizinischen Seminaren und wird mit der Legung eines riesigen Sandmandalas (Bild) gekrönt, das die wichtigsten Aspekte der buddhistischen Kosmologie darstellt.

Zu diesem Anlass wurde auch das Kritische Forum Kalachakra (KFK) gegründet, das sich als eine "kritische Plattform" versteht. Es will eine breite Kulturdebatte über die problematischen Seiten dieser Geheimlehre im Westen anregen, von deren Inhalten nur ein kleiner Teil an die Öffentlichkeit dringt.
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Für kritikwürdig am Kalachakra-Tantra hält das KFK - wie die Trimondis - die apokalyptischen Feindbildtendenzen (prophezeiter Religionskrieg gegen Nicht-Buddhisten), ein überholtes theokratisches Staatsverständnis, die Abwertung des menschlichen Ich sowie tantrische Sexualpraktiken mit z.T. minderjährigen Partnerinnen, die auf eine klare Abwertung der Frau zum Objekt männlich-spiritueller Einweihung hinauslaufen.
Zumindest tauchen all diese Aspekte in den geheimeren Sektionen dieses okkulten Textes auf und werden in speziellen Einweihungsritualen an höhere Adepten weitergegeben.

Auch wenn sich hier wieder die Frage nach symbolischem bzw. realem Gehalt stellt, gibt doch zu denken, dass solche Elemente in der offiziellen Darstellung des Kalachakra-Tantras nicht erwähnt werden. Hier wird das Ereignis als ein "die Kulturen und Religionen übergreifendes Weltfriedenstreffen" gefeiert, als Alternative gegen die von Terror bedrohte Welt und "Platz der Hoffnung und spirituellen Kraft". Vermutlich werden auch Hollywoodstars nach Graz kommen und der Filmregisseur Werner Herzog dreht einen ausführlichen Dokumentarfilm über das Kalachakra-Tantra, um "das Unsichtbare sichtbar zu machen." Der Dalai Lama selbst wird den Menschenrechtspreis der Grazer Universität erhalten, wozu die Wiener Philharmoniker ein weltweit ausgestrahltes Konzert spielen werden. "Das Megaritual", so der Infotext des KFK, "zeigt, mit welcher Power, mit welcher Prachtentfaltung und mit welchem Raffinement sich der Lamaismus im Westen verankert und wozu er imstande ist."


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