Während die griechische
Vorlage (links) einen Kopf möglichst naturalistisch wiederzugeben versucht,
sind die keltischen Darstellungen mehr an seinem dynamischen Inhalt interessiert
und spinnen mittels symbolischer Figuren Geistig-Gedankliches aus: schlangenförmige
Linien, Spiralen und "Mondhörner" verweisen auf Mythen und
Sagen und verweben den Kopf mit einem Kosmos von spirituellen Ideen. Dabei
schrumpft das reine Antlitz immer mehr zusammen und bleibt am Ende nur noch
als eine Art Anhang übrig.
Im Gegensatz zur griechischen Darstellung, die dem klassischen Ideal von
Schönheit und Wohlproportioniertheit huldigt, erinnern die keltischen
Bilder an moderne Kunst, die die gegenständliche Welt in verschiedene
Facetten aufsplittert und neu zusammensetzt. Keltische Kunst sucht eher
die Wirklichkeit als dass sie sich ihrer gewiss wäre: Das Reale ist
ihr nicht das stofflich Gegenwärtige und rational Einteilbare, sondern
ein letztlich rätselhaftes Gewebe von Kräften, die sich wandeln
wie die Natur und die Gemütslagen der Menschen. |