Die Erbauer der megalithischen Steintempel lebten zwar lange vor den Kelten, aber es gab in ihrem Weltbild einige Gemeinsamkeiten: Beide Völker erblickten z.B. das Göttliche im Weben der Naturkräfte, die sie eher in kreis- und spiralförmigen Ornamenten als in naturalistischen Götterbildern darstellten.



 



Ihre Art von Religiosität war stark an den Rhythmen der Natur orientiert und ihre Symbole schienen eher das Unsichtbare als das Sichtbare einfangen zu wollen. Abbildungen auf keltischen Münzen z.B. zeigen, wie sehr sich ihre Weltauffassung etwa von der römisch-griechischen unterschied:



Während die griechische Vorlage (links) einen Kopf möglichst naturalistisch wiederzugeben versucht, sind die keltischen Darstellungen mehr an seinem dynamischen Inhalt interessiert und spinnen mittels symbolischer Figuren Geistig-Gedankliches aus: schlangenförmige Linien, Spiralen und "Mondhörner" verweisen auf Mythen und Sagen und verweben den Kopf mit einem Kosmos von spirituellen Ideen. Dabei schrumpft das reine Antlitz immer mehr zusammen und bleibt am Ende nur noch als eine Art Anhang übrig.

Im Gegensatz zur griechischen Darstellung, die dem klassischen Ideal von Schönheit und Wohlproportioniertheit huldigt, erinnern die keltischen Bilder an moderne Kunst, die die gegenständliche Welt in verschiedene Facetten aufsplittert und neu zusammensetzt. Keltische Kunst sucht eher die Wirklichkeit als dass sie sich ihrer gewiss wäre: Das Reale ist ihr nicht das stofflich Gegenwärtige und rational Einteilbare, sondern ein letztlich rätselhaftes Gewebe von Kräften, die sich wandeln wie die Natur und die Gemütslagen der Menschen.
Callanish   Taliesin