Mit etwa 15 oder 16 Jahren bekam ich von meinem Vater zu Weihnachten ein altes illustriertes Buch mit dem Titel "Die Geschichte der Menschheit" geschenkt, das er selbst einmal von seinem Vater erhalten hatte. Im Inneren fand sich noch die handschriftliche Eintragung: Walter Sünner, Weihnachten 1930.

Darin faszinierte mich vor allem eine Landkarte, die die Grenzen des ehemaligen römischen Reiches darstellte und in der das seltsame Wort "Ultima Thule" auftauchte.

Spontan löste es in mir eine Mischung aus Staunen und Neugier aus: Der Name war geheimnisvoll, ein wenig unheimlich und er zog mich an. Mit "Ultima Thule" hatten die Römer die äusserste Nordgrenze ihres Imperiums bezeichnet, die grossen und undurchdringlichen Wälder jenseits des Hadrianwalls, in der zu dieser Zeit die Kelten wohnten.

Ich weiss nicht mehr genau, was ich damals konkret mit diesem Wort verband. Es war wohl ein Synonym für Wildnis, Magie, unbekannte Regionen fernab der geläufigen Erfahrung. Ich erinnere mich nur noch an die eigentümliche Anziehungskraft, die von ihm ausging und die sich später in meinem Leben noch einmal zurückmelden sollte.

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