Dass die Mythen um die "Sälig Lüt" oder das Wotansheer noch bis Anfang des 20. Jahrhunderts in bestimmten Regionen der Schweiz weitererzählt wurden, belegen etwa die Veröffentlichungen von Eduard Renner und Renward Brandstetter. Renner betreute als Arzt entlegene Gehöfte im Bergkanton Uri und veröffentlichte über seine dortigen Erlebnisse 1941 das Buch "Goldener Ring über Uri". Er fand bei den Einwohnern dieser Gegend zu seinem Erstaunen eine Synthese von christlichen und magisch-animistischen Glaubenselementen vor.

Der Schweizer Philologe Renward Brandstetter verfasste eine ganze Spezialstudie über "Die Wuotanssage im alten Luzern" (1917). Sein Hauptgewährsmann ist der Luzerner Stadtschreiber Renward Cysat, der von 1545-1614 lebte und dessen zwanzig handschriftliche Folianten noch heute in der Kantonsbibliothek Luzern aufbewahrt werden. Unter dem Namen "Wüetisheer", "Wuotisheer", "das Sälig Volk", "Sälig Lüt" oder "Nachtjäger" sammelte er unzählige Berichte und Legenden über heidnisch-rituelle Umzüge vor allem am Pilatus und im Entlebuch. Obwohl überzeugter Christ und Skeptiker, machten solche Überlieferungen und auch bestimmte "gespenstige Stätten" einen tiefen Eindruck auf ihn.


Siehe auch Margrit Burri: Nachdenken über germanische Mythologie, wider Missbrauch und Verfälschung Zürich 1990, 73ff

 

 

zurück