Der Maler Arnold Böcklin (1827-1901) griff mythologische Themen vor allem der Antike auf, um damit - quasi in einer Art poetischer Revolte - gegen das materialistische und nihilistische Weltbild seiner Zeit zu protestieren.

Dabei ergeben sich sowohl spielerisch-erotische als auch abgründig-esoterische Szenarien: Faune, Nymphen, Kentauren und Pan-Figuren bestimmen sein Werk genauso wie stille Haine und Toteninseln, in denen transzendente Erfahrungen anklingen.


Die Welt der badenden Nixen und Meerjungfrauen ist von Sexualität bestimmt: Mit Vorliebe stellt Böcklin ihnen derbe männliche Fabelwesen gegenüber, die sie erschrecken, jagen und locken. Figuren aus Sagen und Märchen werden künstlerisch benutzt, um psychologische Tiefenschichten im Verhältnis von Mann und Frau sichtbar zu machen: erotische Anziehung, Spannung, Kampf, Entfremdung.
Dabei können auch unheimliche Aspekte mit hineinspielen, die die Grenze zu Wahnsinn und Tod streifen. In dem Gemälde "Meeresstille" z.B. liegt eine Nixe in merkwürdiger Stellung auf einem Felsen: Erhebt sie sich gerade oder deutet sie irgendwo hin?
   
Erst auf den zweiten Blick bemerkt man ein seltsames Wesen, das wie gelähmt und mit weit geöffneten Augen vor ihr auf dem Meeresgrund liegt.

 


Ist es - erschöpft durch zuviel Sex - vom Felsen gefallen und kämpft nun mit dem Ertrinken? Oder wurde es von der Meerjungfrau verzaubert und kann sich nicht mehr rühren?

Doch auch die Möglichkeit, dass es sich einen makabren Scherz mit seiner Gespielin leistet, lässt das Bild offen.

Böcklin beobachtete einmal auf einem Badeausflug mit Freunden, wie jemand ein hübsches Mädchen mit seinen Tauchkünsten ärgerte: Er konnte extrem lange unter Wasser bleiben und tauchte dann völlig unvermutet ganz in ihrer Nähe auf. Das Spiel wurde durch seine Penetranz zum Ernst und das Mädchen lief irgendwann verstört davon.

Mythische Figuren eignen sich besonders gut zur bildnerischen Darstellung, weil sie in unsere tiefsten Ängste und Sehnsüchte hinabreichen. Mit ihrer sinnlichen Kraft und Unbestimmtheit können sie Gefühlslagen ausdrücken, die dem Wort oder der realistischen Abbildung versagt bleiben.

 

 
Rauschen der Haine   Pan