Eine starke Sensibilität für Tiere, Pflanzen und Mineralien zeichnete Beuys schon in ganz jungen Jahren aus. Bereits als 12jähriger pflanzte er vor dem Elternhaus eine Trauerweide, arbeitete als Tierpfleger in einem kleinen Wanderzirkus und legte Sammlungen von Fundstücken seiner ausgedehnten Naturexkursionen an. Darüberhinaus las er bevorzugt die romantischen Dichter, etwa Hölderlin, Goethe oder Novalis, deren Weltbild pantheistisch geprägt war.

Mit 20 Jahren (1941) verfasste er das Gedicht "Nordischer Frühling", welches zeigt, dass in dieser Zeit auch bereits heidnische Mythen sein emphatisches Naturverständnis mitbeeinflussten:

 

Nordischer Frühling

O Frühling
deine tausend Kräfte strömen in mich hinein
wenn ich durch den Wald gehe
wie Baum an Baum hier das frühe Licht empfangen
durch das Filigran der Kronen fällt der rote
Schimmer auf die grünen Blätter.
Drüben fliesst der Bach.
Silberhell klingt es
wenn die kleinen Wellen lieblich über die bunten
Kiesel plätschern. Schon über die hochheraus-
ragenden Steine zieht sich neunjähriges Moos.
Und gleich neben dem Rinnsal das kräftige
Drängen und Streben der Pflanzen. Alles
strebt gegen die herrlichen frühen Sonnenfenster
über mir. Dort kommt es rot und drüben
opalenes Blau. Und jetzt zittert es schimmernd
im Gras zwischen den Steinen.
Ostara wandelt über allen Schatten. Eine
ungeheuere Spannung wird wachgerufen zwischen
Fauna und Flora. Der Mensch fühlt, dass
die Pflanzen und Tiere seine Verwandten sind.
Diese unendliche Kraft, dies dionysische Erbe
und Überquellen schafft der Mensch durch seine
geistige Schau der Realitäten in der Natur zum
Idealbild und zum also geläuterten Kunstwerk (...)


 

"EXIT"   Biene, Hase, Coyote