Der "GRAUBALLEMANN" von Beuys besteht nach eigenen Angaben aus "Semniskatenschwingungen" aus Messing um einen Kern aus Palisanderholz. Ein Wortspiel, denn Semniskaten gibt es nicht, nur die verschlungenen Schwingungen der "Lemniskate".

Beuys' Sohn Boien Wenzel versuchte eine Deutung, indem er die griechischen Worte "semnos" (heilig, erhaben) und "kato" (abwärts, hinab, hinunter) bemühte: die "aus dem Unterirdischen herauftönenden erhabenen Schwingungen."

Deutet man die Holzkiste als Sarg, lässt sich die merkwürdige Skulptur vielleicht tatsächlich in Zusammenhang mit einem Moorleichenfund bringen: ein begrabenes, eingeschlossenes Etwas, das dennoch in Bewegung zu sein scheint und Energien aussendet. Dies kann mehrfach verstanden werden: als Glaube an Seelenwanderung und Wiedergeburt, den Beuys als Anhänger des Anthroposophen Rudolf Steiner teilte, und als Ausstrahlung von Faszination und Rätselhaftigkeit, die der "Grauballemann" nach seiner Bergung überall auslöste. Darüberhinaus als das Weiterleben archaischer Glaubensvorstellungen, die sozusagen vom Boden des Moores "herauftönen" und neu bedacht werden wollen. Etwas kommt nicht zur Ruhe, weil es nicht wirklich in "neuzeitliche" Gefühls- und Erkenntnisformen übersetzt worden ist: Beuys Kritik am eher ausschliessenden als transformierenden Geist von Kirche und Aufklärung.

 

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