"Auschwitz-Demonstration 1956-1964"

 

Beuys war nicht so vermessen zu glauben, dass sich das Grauen des Holocaust bildlich darstellen lasse. Er verstand seine Installation als Erinnerungsbeitrag und "Versuch, eine Medizin aufzubereiten".

Trotzdem ist die Vitrine "Auschwitz Demonstration" - wenn man sie genau studiert - von grosser Intensität und löst eine breite Skala von Gefühlen und Assoziationen aus: Die wie verrostet oder metallisch angelaufen aussehenden Würste im oberen rechten Bildrand könnten auch Reste verbrannter Gliedmassen sein, der Inhalt der grossen schwarzen Töpfe lässt einen an Menschenhaar denken. Kleine Fläschchen mit undefinierbarem braunem Inhalt erinnern an die unheilvolle Medizin im Dritten Reich. Oder befindet sich Jod darin, der Beuys' Hinweis auf das Heilen versinnbildlicht?

Auch in diesem Objekt verwendet der Künstler das Kreuzsymbol:



Ein aus Knete geformtes Kruzifix liegt auf einem alten Porzellanteller, daneben ein kleines Stück Knäckebrot. Alles verstaubt wie von Omas Dachboden: Bilder von Schmerz, Hunger und Geschundenheit, herausgeholt aus Verliesen der Verdrängung. Das Brot vielleicht auch karge Speise, ein vertrockneter Rest fürs Überleben. Die Jesusfigur wirkt malträtiert, als sei auch sie unter die Räder der Menschenwelt gekommen, die sie zu erlösen beabsichtigte: Zeichen für die Ohnmacht der christlichen Botschaft oder Bild eines Gottes, der sich bewusst selbst in letzte Abgründe von Folter und Erniedrigung begibt?

 

zurück