Ursprünglich sollte an dieser Stelle der zweite Teil des Themenkomplexes "Heidentum-Christentum" erscheinen. Aber die Ereignisse des 11.September beschäftigten mich so, dass ich ein Heft über die damit verbundenen Hintergründe und Problemstellungen einschieben möchte. Das Heiden-Thema wird in der nächsten "Atalante" fortgesetzt.

"'Phallussymbole' und die 'Brillianz des Bösen'" untersucht die mythisch-religiösen Sprachbilder, mit der viele nach der Katastrophe ihre Gefühlsstürme zu kanalisieren versuchten: "Gut" gegen "Böse", "Kreuzzug" gegen "Heiligen Krieg", "Unendliche Gerechtigkeit", die "Erhabenheit der Katastrophe", die Katastrophe als "Kunstwerk" etc. Die Welt stand kopf wie lange nicht mehr und erging sich in pathetischen und ambivalenten Formulierungen, die nicht mehr viel mit "Aufklärung" zu tun hatten. Oder äusserte sich gerade in ihnen Verborgenes, das jetzt endlich an die Oberfläche spülte?

"Unkraut in Gottes Garten" wirft einen Blick in das Innenleben islamistischer Terrororganisationen wie "Hamas" oder "Hisbollah". Der Essay bezieht sich grösstenteils auf das Buch "Holy Terror" des iranischen Journalisten Amir Taheri, der genaue Einblicke in diese Abgründe religiöser Besessenheit bekam.

Mit dem Beitrag "Ägypten 1991" gebe ich Erinnerungen an meine bisher einzige Begegnung mit einem islamischen Land wieder, das ich 1991 - kurz nach Ende des Golfkrieges - besuchte.

Ebenfalls einen Reisebericht trug die Berliner Historikerin Anne Ego bei, die vor einigen Jahren alleine durch Persien fuhr: "Safar": Impressionen aus dem Iran.

In "'Kuschel-Moslems' und 'Heilige Killer'" stellt der Theologe Dietmar Hecht die Frage, warum vom Gott der drei monotheistischen Religionen so viel Gewalt ausging und immer noch ausgeht. Er untersucht, wie fundamentalistischer Judäo-, Christo- und Islamofaschismus mit ihrer jeweiligen "Mutterreligion" zusammenhängen und stellt die These auf, dass islamischer und jüdischer Fundamentalismus eine Spätform dessen sind, was in christlichen Ländern als Faschismus auftrat bzw. fortwirkt.

Die Galerie stellt einige Arbeiten der iranischen Videokünstlerin/ Fotografin Shirin Neshat vor, die lange in den USA lebte und 1990 wieder ihre Heimat besuchen durfte, die sich unter der "islamischen Revolution" Khomeinis drastisch verändert hatte.

"Bücher und Filme" präsentiert Publikationen zum Thema, etwa den Insiderbericht Werner Schiffauers über die fundamentalistische Kaplan-Sekte in Köln, Hans-Diedrich Fuhlendorfs Untersuchungen zur apokalyptischen Rhetorik unserer Zeit sowie die aufregenden Reportagen über islamische Länder von Peter Scholl-Latour. In seinem Buch "Die Akte Kissinger" legte Christopher Hitchens neue Dokumente vor, die nahelegen, viele Aktivitäten des ehemaligen US-Aussenministers und seines Landes als "Kriegsverbrechen" zu bezeichnen.

Spielfilmbesprechungen fehlen diesmal, weil in den letzten Wochen fiktive Formen mit der realen Dramatik nicht konkurrieren konnten. Dafür wird noch einmal an die zeitlose Kraft der Filme von Stanley Kubrick erinnert, die jetzt in einer DVD-Kollektion erschienen sind.