"Atalante" Nr. 2 hat den Themenschwerpunkt "Gewalt" gewählt und versammelt ein paar zusätzliche Autoren, die das Thema von verschiedenen Seiten her beleuchten.

Dabei geht es nicht nur um Gewalt als solche, sondern auch um unseren zwiespältigen Umgang mit ihr. Während die Öffentlichkeit dieses Phänomen einhellig verurteilt, feiert es im Untergrund von Medien, Kino, Internet, Computerspielen etc. eine umso fröhlichere Wiederauferstehung.

Nahezu jeder Jugendliche wird seinem Lehrer vormittags vorbeten, dass er Gewalt schlecht findet, auch wenn er sich am Nachmittag die entsprechenden Videos reinzieht oder in subversiven Zirkeln (Satanismus, Rechtsradikalismus, Internet) deren Faszination auskostet. Politische Sonntagsreden oder abstrakte Wissenschaftsanalysen kommen an diese Schizophrenie kaum heran.

Wir wollen versuchen, uns dem Thema von verschiedenen Seiten und jenseits von "political correctness" und moralischer Heuchelei zu nähern. Dazu gehören wesentlich auch Betrachtungen zum modernen Kino ("Gladiator", "Fight Club"), wo Gewalt oft genug als attraktiver und gewinnbringender Stimmungsmacher eingesetzt wird. Wie diese dagegen im Alltag von jugendlichen Strafgefangenen aussieht, schildert der Beitrag "Outlaws", der aber auch auf unsere Faszination gegenüber dem kriminellen Milieu aufmerksam macht.

"Drachen, Helden, Nachtmeerfahrten" setzt in erster Linie unsere Untersuchungen zum Werk C.G.Jungs fort, aber berührt auch den Themenschwerpunkt, indem von der Gewalt der Bilder und Archetypen die Rede ist, die sowohl zum Positiven als zum Negativen hin ausschlagen kann.

Mythen und Bilder versuchen aber auch, Gewalt zu bannen und zu transformieren: "Buschmänner in Sarajevo" stellt eine bosnische Malerin im Exil vor, deren Kunst das Trauma der "ethnischen Säuberungen" in ihrer ehemaligen Heimat zu bewältigen versucht.

Die Kurzgeschichte "So geh ich mit beherztem Schritt" schliesslich reflektiert Erfahrungen von Gewalt im Alltag einer Großstadt sowie die Phantasien, die dadurch in uns ausgelöst werden.

Was Gewalt in seiner umfassenden Bedeutung ist und wie wir mit ihr am besten umgehen, ist ein Thema, von dem die öffentliche Diskussion noch weit entfernt zu sein scheint. Sie bewegt sich - trotz aller scheinbaren Modernität und Liberalität - eher in festgefahrenen Gleisen von Doppelmoral und Schwarz-Weiss-Malerei. Damit kann man sich gut vor den Verführungen des Ambivalenten und Irrationalen schützen. Aber gerade die Bilderwelten und Subkulturen der Jugend zeigen, dass ein solches Denken zunehmend ins Leere läuft, ja dass es vielleicht sogar die "Teufel" vermehren hilft, die es eigentlich verbannen will.


 

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